Warten auf die Corona-Impfung in Mosambik

Es gibt viele Meinungen zur und Ängste vor der Corona-Impfung . Vor allem für Menschen mit Behinderungen ist barrierefreie Information oft nicht verfügbar. Kleinunternehmer José Chinaque Américo erzählt über die Situation in Mosambik.
Joseé Chinaque trägt ein grün/schwar/beige gestreiftes T-Shirt und sitzt in seinem türkisen Rollstuhl und blickt selbstbewusst in die Kamera.

José Chinaque Américo begrüßt Iláuda Manala mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Er kennt die Mitarbeiterin von Licht für die Welt gut: Sie hat José dabei unterstützt, seine Ausbildung abzuschließen. Dank dieser hat er jetzt sein eigenes Einkommen: Er arbeitet in einem Handyshop und verkauft Telefonwertkarten.  

Heute besucht Iláuda den jungen Mosambikaner, um mit ihm über die COVID-19 Impfung zu sprechen und um herauszufinden, ob er ausreichend informiert ist. Gerade in Gesundheitskrisen ist es wichtig, dass Informationen barrierefrei sind und alle Menschen erreichen. Denn nur wer informiert ist, weiß, wie man sich schützen kann. 

José teilt seine Erfahrungen in einem Gespräch, das José und Iláuda im März in einem Vorort der Stadt Beira im Bezirk Sofala geführt haben. 

COVID-19 Impfung 

“Viele fürchten sich vor der Impfung. Ich habe keine Angst und würde mich, wenn möglich, sofort impfen lassen.“

Für José gibt die Impfung grünes Licht zum Wiederaufbau. Er wünscht sich ein Leben, wie es vor der Pandemie war und würde sich sofort impfen lassen, wenn es möglich wäre. Viele Menschen in Josés Umfeld aber haben große Bedenken, manche haben sogar Angst vor der Impfung. José versteht ihre Situation und auch er sieht viele Gründe, warum sich Risikogruppen nicht impfen lassen. Doch um diese auszuräumen, braucht es barrierefreie Informationen: Wie soll man einen Weg wählen, wenn man keine Landkarte hat? 

Barrierefreie Informationen: Fehlanzeige 

„Zur Impfung habe ich einige Bedenken:  Risikogruppen, darunter Menschen mit Behinderungen, haben es nicht leicht, die Impfung zu bekommen. Die größte Herausforderung sind mangelnde Informationen.“ 

Informationen über das Virus und die Impfung müssen so verbreitet werden, dass alle Menschen sie verstehen können: Sei es in Braille, in nationaler Gebärden- oder Einfacher Sprache sowie durch grafische Darstellungen. José sieht hier einen großen Bedarf in Mosambik: Viele Menschen mit Behinderungen wissen zu wenig über das Virus oder über die Impfung. So entstehen Mythen und Gerüchte, die Ängste hervorrufen, aber keine Lösungen bieten. Licht für die Welt setzt sich in den Partnerländern und in internationalen Gremien dafür ein, dass Gesundheitsinformationen barrierefrei angeboten werden.

Nationaler Impfplan: priorisiert nach Alter nicht nach Risiko 

José kritisiert, dass Mosambik in seinem Impfplan nach Alter und nicht nach Risiko priorisiert. Bisher sind Menschen mit Behinderungen im Impfplan nicht priorisiert und es gibt es keine offiziellen Angaben, wann sie geimpft werden. Der junge Mann fürchtet auch, dass die Impfzentren schwer erreichbar und nicht barrierefrei sein werden. Er schlägt vor, dass Gesundheitspersonal von Tür zu Tür gehen sollte, damit Risikogruppen zu Hause geimpft werden können. 

Nichts über uns – ohne uns 

Mosambik hat einen COVID-19 Notfall Beratungsstab eingerichtet. Doch obwohl in der UN- Behindertenrechtskonvention das Prinzip „nichts über uns – ohne uns“ verankert ist, ist bisher keine Person mit Behinderungen Mitglied. José ist überzeugt: Mit einer Person mit Behinderung im BeraterInnenstab, wären die Bedürfnisse aller Menschen mit Behinderungen besser abgedeckt. 

COVID-19 Impfungen in Mosambik 

In Mosambik wurden seit März etwa 600.000 Dosen des Impfstoffes geimpft. 200.000 waren ein Geschenk von China, 100.000 ein Geschenk aus Indien und 384.000 wurden über die COVAX Initiative bereitgestellt. Mosambik erwartet 1,7 Millionen Impfdosen für Mai. Ziel ist, bis 2022 16 Millionen Menschen, also etwa die Hälfte der Bevölkerung zu impfen. 

Fotocredit: Licht für die Welt